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Tokyo Pack 2018 setzt auf Themen wie Kreislaufwirtschaft und alternative Packstoffe

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Im Rahmenprogramm ging es um die Zukunft der Verpackung bis 2030, Stichworte sind hier Internet of Things (IOT), Künstliche Intelligenz (KI), Internet der Verpackung (IOP), Big Data, Smart Logistics und nachhaltige Kunststoffe.

Michio Shimada, vom Japan Institute of Certified Packaging Professionals (ICPPJ) und Leiter des zweijährigen Packaging Future Projekts erklärt: „Mit zunehmendem Verständnis, dass Kunststoffe nicht gut für die Gesellschaft sind, müssen wir unsere Bemühungen darauf konzentrieren, Kunststoffe zu sammeln und wiederzuverwenden.“ In der Vergangenheit hat Japan Siedlungsabfälle weitgehend durch Verbrennung mit Energierückgewinnung wiederverwertet. Die stoffliche Wiederverwertung war mit 20 Prozent relativ gering.

Im Juni 2018 lehnte Japan es ab, die G7-Charta zum Schutz der Meere gegen Kunststoffabfälle zu unterzeichnen, die für einen „ressourceneffizienten Ansatz für das Lifecycle-Management von Kunststoffen in der Wirtschaft“ plädiert. Toshio Arita, Mitglied der ICPPJ, bestätigte, dass Japan „gleichgültig“ gegenüber dem war, was andere Länder als Problem sahen. Er kommentiert: „Ich möchte Ihnen versichern, dass das, was wir in der Vergangenheit getan haben, nicht akzeptabel ist“, und fügte hinzu: „Sobald sich Japan für eine wichtige Sache engagiert, wird es sich um die bestmöglichen Ergebnisse bemühen.“

Gespräche auf Messeständen unterstrichen die Relevanz der Botschaft. Nippon Paper verfolgt die Strategie, mehr Zellstoff aus Altpapier einzusetzen und ungenutztes Altpapier in neue Ressourcen umzuwandeln. Als der indische Bundesstaat Kaharashtra im Juni 2018 Einwegbehälter aus Kunststoff verbot, begann die indische Tochtergesellschaft Nippon Paper Foodpac mit der Produktion und Lieferung von biologisch abbaubaren Kunststoffhalmen und Deckeln für To-go-Becher, die in Fast-Food-Ketten eingesetzt werden. Das Unternehmen hat einen Trinkhalm aus PLA (Polymilchsäure) auf dem Markt und entwickelt gerade einen Trinkhalm auf Papierbasis.

Für einen solchen Trinkhalm von Kraftpack, China, wird gerade die Lebensmittelzulassung beantragt. Ein neuer einlagiger Becher auf Bambusbasis mit PLA-Beschichtung wird aus „einem feuchtigkeitsbeständigen, unbeschichteten Material“ hergestellt.

Das brasilianische Unternehmen Braskem, das erste Mal auf der Tokyo Pack, stellte einen „I‘m Green“-Kunststoff als „Drop-in-Lösung“ für Tragetaschen, Brotbeutel, Kosmetikflaschen und PET-Behälter vor. José Augusto Viveiro, Sales- und New Business Development Director von Latam & Asia-Pacific, dazu: „Es kann positive Auswirkungen auf die Umwelt und die Kosten reduzieren, wenn erdölbasiertes und grünes PE miteinander kombiniert wird. Der Nutzen für die Welt ist unbezahlbar.“

Durchbruch im Prozess

Dai Nippon Printing (DNP) stellte eine preisgekrönte Beutelfolie aus PET/CPP/Nylon mit einer PET-Schicht vor. Das Besondere: Die Schicht besteht zum Teil aus einem Nebenprodukt der Zuckerproduktion. Weiter arbeitet das Unternehmen an biobasiertem CPP und Nylon, so DNP-Verpackungsleiter Masahiro Haruki. Neu ist die 3-D-geformte Complex-Flasche des Unternehmens. Die PET-Flasche wird zusammen mit einer Außenfolie hergestellt, zur Entsorgung lassen sich die Teile jedoch trennen. Die neue Flasche wurde von einer Sake-Marke auf den Markt gebracht und im Oktober 2018 beim Salon du Saké in Paris 2018 erstmals außerhalb Japans vorgestellt.

Ishida zeigte ein selbstlernendes Verfahren für ein hybrides Röntgeninspektionsgerät, das Fremdkörper in verpackten Lebensmitteln erkennen soll. „Bisher konnte das noch niemand“, erklärt Takayasu Yamada, Ishida General Manager, America-Oceania & EMEA und ergänzt: „Ishida ist führend bei der Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln mit der Digimarc-Technologie.“ Digimarc Barcode und Digitmarc Discover Software kommen in der Produktion an kritischen Kontrollpunkten zum Einsatz, um die Sicherheit in Betrieben mit autonomen Kartonverpackungslinien zu verbessern.

An anderer Stelle wurde eine enge Kollaboration zwischen Roboter und Mensch demonstriert, indem Fanuc zeigte, wie menschliches Coaching und Deep-Learning-Technologie die Effizienz eines Roboters am Arbeitsplatz steigern können. Eine von Spielkonsolen vertraute Handführung ermöglicht es dem Fanuc CR-7IA, „on the job“ zu lernen und vermeidet so Zeit und Kosten für das Schreiben neuer Softwareprogramme. Der direkte Lernprozess ist schnell und die Vorrichtung kann nachgerüstet werden.

Was Dosen können

Toyo Seikan feierte ein Jubiläum und präsentierte anlässlich eines Jahrhunderts Firmengeschichte eine Fülle an Neuheiten. Um die Handhabung zu vereinfachen und die Sicherheit des Verbrauchers zu erhöhen, verfügt ein leicht zu öffnender Ring-Pull über zwei Vertiefungen, welche den Finger in die beste Position führen, um den Ring-Pull optimal ziehen zu können. Damit soll verhindert werden, dass eine Drehbewegung zu einem fehlerhaften oder einem unbeabsichtigten Öffnen beim Stapeln von Dosen führt. Diese Entwicklung soll Mitte 2019 auf den Markt kommen.

Weiter wurden Technologien zur Dekoration des Dosenhalses mit Buchstaben und Mustern durch Prägung oder Plattenverarbeitung vorgestellt.

„Dies ist, soweit wir wissen, eine Weltneuheit und der Dosenhals ist sehr gut für die Dekoration geeignet – sie hat keinen Einfluss auf die Belastbarkeit und die Schultern kommen nie in Kontakt miteinander“, erklärt Kensaku Tahara, Manager, Forschungsgruppe, Toyo Seikan Group Holdings.

Toyo Seikan, ein relativ neuer Anbieter im Bereich der Flaschen- und Dosenherstellung, hat die Rückverfolgbarkeit und Sicherheit verbessert, indem er Dosen mit einem einzigartigen seriellen Matrixcode mit dem Produktionszeitpunkt laserbeschriftet hat. Es ermöglicht eine kontinuierliche Verfolgung und Qualitätssicherung bis zum Ende einer weitgehend autonomen Endverpackungsanlage.

Japan ist auch die Heimat eines riesigen Marktes für Kaffee in Dosen, insbesondere von Produkten mit Milch- und Zuckerzusatz, und in den Städten ist ein Koffein-Shot in den vielen Convenience Stores und Automaten immer in greifbarer Nähe. Ein Late-Stage-Check durch eine sensorgestützte zerstörungsfreie Prüfung soll sicherstellen, dass kein Kohlendioxid vorhanden ist und nur einwandfreie Produkte das Werk verlassen.

Ein bunter Ring-Pull, der angeblich einen Blick in die Zukunft ermöglicht, hat japanischen Charme, aber das Konzept könnte ein breiteres Publikum als Träger von Werbekampagnencodes interessieren, wenn es 2019 auf den Markt kommt. Mit einem hochauflösenden Lasermarkierer ist es möglich, komplexe Muster variabel zu reproduzieren, und die Gravur auf der Unterseite einer Lasche wird erst beim Öffnen der Dose sichtbar.

Eine weitere neuartige Idee, die nach einer Anwendung sucht, ist ein Schrumpfetikett, das nicht an der Dose haftet, sondern leicht drehbar ist, so dass versteckte Bilder oder Text auf der Dose selbst sichtbar werden. Entsprechende Muster werden bisher manuell hergestellt, aber das Unternehmen arbeitet weiter an einer Automatisierung des Verfahrens, so Tahara. Das Mitglied der Toyo Seikan Group, Nippon Closures, hat einen Deckel aus PE produziert, der mittels eines Bandes (einer Schlaufe) an einer PET-Kunststoffflasche befestigt wird und arbeitet an einer europäischen Version. Die Lösung lässt eine Hand frei für das Smartphone und verhindert, dass die Deckel in der Natur entsorgt werden. Acure From Aqua setzt den Verschluss bereits ein. Dabei handelt es sich um abgefülltes Wasser, das in Acure-Automaten verkauft wird.

Beutel & Co

Mitsubishi Shoji Packaging stellte einen vorgefertigten Standbeutel vor, der sich für Produkte im Lebensmittel- und Körperpflegesektor eignet. Der leicht formbare Standcap-Beutel soll eine saubere und kontrollierte Dosierung ermöglichen, kann bei Bedarf transparent sein und hat einen großen Standboden für mehr Stabilität. Der Beutel eignet sich beispielsweise für Aloe Vera Gel, Körpercremes und Peelings sowie für Gewürzsaucen, so Mitsubishi Marketing Executive Naoke Matsuda. Beutel sind das ideale Format für Fertiggerichte und Snacks in Japan, werden aber auch für Produkte wie Körperpflege- und Haushaltsprodukte eingesetzt. Toppan Printing präsentierte Innovationen, darunter eine Sterilbeutelverpackung aus einem Monomaterial für Pharma- und Lebensmittelanwendungen. Mit wasserbasierten Druckfarben und lösungsmittelfreier GL-Klebekaschierung kann eine Kohlenstoffreduzierung von 20 bis 30 Prozent erreicht und der Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) um 90 Prozent reduziert werden.

Eine „ultra langlebige“ Version eines Airhold Nachfüllbeutels mit einem Volumen von 900 ml von Toppan, der bisher traditionell für Waschmittel eingesetzt wird, richtet sich nun auch an Hersteller von Farben und alkoholischen Getränken. Toppan-Geschäftsführer Chihiro Sakamaki erklärt, dass sein Einsatz eine Marke im Regal differenzieren und die Transportkosten senken wird. Der Nachfüllbeutel ist auf bestehenden Standbeutelmaschinen zu verarbeiten und ermöglicht es Unternehmen, Tests mit eigenen Produkten durchzuführen.

Tropicana hat einen neuen Verschluss von Toppan für Giebelkartons eingeführt. Er verwendet keinen Pullring, sondern besteht aus einem dreifachen Gewinde mit einer Sollbruchstelle, die die Funktion einer Originalitätssicherung übernimmt. Außerdem ermöglicht der Verschluss eine zuverlässige Abdichtung und lässt sich leicht öffnen und schließen. In der Reihe des Japan Packaging Contest 2018 gewann der Fruit Server Cup von Toppan mit einem Deckel, der einen wiederverwendbaren gefalteten Strohhalm enthält, und einem kugelförmigen Behälter für Pola Premium-Gesichtscreme, der aber immer wieder aufrecht steht und einen Spachtel trägt.

Recycelbares PET-basiertes synthetisches Papier für In-Mould-Labels (IML), das unter dem Namen Yupo vertrieben wird, hat die Regale der Drogerien in Korea und China erreicht und wird für Körperpflegeprodukte eingesetzt. Japan „wird die Technologie wahrscheinlich 2019 vermarkten“, berichtet ein Sprecher des Papierherstellers Oji Paper. Er berichtet, dass die Yupo Corporation mit der Arbeit an einem „100-prozentigen pflanzenbasierten, biologisch abbaubaren PET-Kunststoff“ begonnen habe und erwartet ein Ergebnis in drei bis vier Jahren.

Aufgrund der 2020 stattfindenden Olympischen Sommerspiele in Tokio wird die nächste Tokyo Pack vom 24. bis 26. Februar 2021 stattfinden, wobei der übliche Zweijahreszyklus unterbrochen wird und der Branche zusätzliche Zeit für die Produktion ihrer Produkte bleibt.

Über den Autor
Autorenbild
Joanne Hunter, freie Verpackungsjournalistin

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